DriveGREEN

Peugeot e-2008: Eine für alle

Während VW mit dem MEB, der seine Premiere im ID.3 feierte, eine Plattform für nur reinelektrische Fahrzeuge entwickelt hat, geht PSA einen anderen Weg: Ob Diesel, Benzin oder Elektro: sie alle lassen sich mit der Common Modular Platform (CMP) kombinieren.

Doch was für Vorteile bringt das mit sich? Und gibt es auch Nachteile? Laut PSA-Pressemeldung: natürlich nicht. So hebt der Konzern die guten Platzverhältnisse hervor, die auch mit Elektro-Antriebsstrang nicht verloren gehen. Jetzt könnte man natürlich einwerfen, dass diese eigentlich besser werden müssten, weil etwa kein Getriebe-Tunnel notwendig ist. Einen solchen gibt es im e-2008 trotzdem. Was aber egal ist: Eingeengt fühlt man sich nicht, weder im konventionell angetriebenen noch im elektrischen Klein-SUV.

Die auseinander zu halten können wohl nur Kenner. Auch so eine Strategie, die sich durch die Modellpalette zieht: Elektrisch fahren? Unbedingt! Das allzu bereitwillig zur Schau stellen? Eher weniger. Ist ja auch gar nicht notwendig, ein Peugeot ist sowieso immer ein Hingucker, zumindest seit ein paar Jahren. Die LED-Signaturen im Krallen-Design samt der beiden Lichtlinien, die Säbelzähne imitieren, der elegante Schriftzug am Heck, die zweifärbige Lackierung und die untere Fensterlinie, die ab der B-Säule stark ansteigt – das harmoniert schon gut miteinander. Geschmäcker sind zwar verschieden, der Peugeot e-2008 dürfte aber viele treffen.

LED-Signaturen in Krallen- bzw. Säbelzahn-Optik.

Genauso wie der konventionell angetriebene; die Unterschiede sind, wie bereits erwähnt, marginal. Am Heck deuten lediglich der Schriftzug sowie das Fehlen der Auspuffblenden auf den elektrischen Antriebsstrang unterm Blech hin. Auffälligstes Merkmal an der Front: Der geschlossene und lackierte Kühlergrill.

Im Innenraum fallen die Unterschiede sogar noch minimaler aus: Es gibt im e-2008 keine Schaltwippen, weil es ja auch kein mehrgängiges Getriebe gibt. Das ist nicht selbstverständlich, viele Hersteller verlagern die Einstellung der Rekuperationsstärke auf diese. Ansonsten gleichen sich die Innenräume wie eineiige Zwillinge, der im elektrischen 2008 legt also keinen mehr drauf. Wobei: Viel futuristischer kann man einen Innenraum eh fast nicht mehr gestalten.

Der 3D-Effekt ist in natura sehr viel sichtbarer.

So faszinieren etwa die digitalen Armaturen mit 3D-Effekten. Großen Nutzen bringt das freilich nicht mit sich, aber es sieht halt klasse aus – genauso wie das restliche Interieur mit dem winzigen Lenkrad, dem durchdesignten Wählautomatikhebel oder den Klaviertasten an der Mittelkonsole.

Der Peugeot e-2008 ist viel Show. Überzeugen kann er allerdings nicht nur mit einem fancy Design und hübschen Materialien, sondern auch solider Technik: Im Wagenboden ist ein Akku mit einer Kapazität von 50 kWh verbaut. Laut WLTP sollen die für eine Reichweite von 320 Kilometer sorgen, im Winter sind’s wohl eher 250. Das ist sicher alles andere als revolutionär, aber eben: solide.

Kann mehr als nur lässig aussehen.

Genauso wie die Ladedauer: Bis zu 100 kW kann man in den 4,3 Meter langen Peugeot e-2008 reinpumpen, dementsprechend sollte er an der Schnellladesäule nach einer halben Stunde voll sein. Natürlich nur in der Theorie, in der Praxis wird gegen Ende hin die Ladeleistung runtergefahren. 80 Prozent gehen sich trotzdem in 30 Minuten aus.

Eben jener Akku hält Energie bereit für eine E-Maschine mit 136 PS und 260 Nm. Typisch E-Auto macht die Leistung vor allem in urbanen Geschwindigkeitsbereichen einen breitbrüstigeren Eindruck, als die nackten Zahlen es vermuten lassen. Doch auch darüber hinaus fehlt es einem an nix: Mit neun Sekunden von 0 auf 100 km/h gehört er zu den schnelleren Peugeot 2008, nur der 155 PS starke Benziner ist mit einem Paradesprint von 8,2 Sekunden merkbar schneller.

Die klassische E-Auto-Kraftentfaltung ist besonders in der Stadt ein Segen.

Danach geht’s munter weiter bis Tempo 150. Das ist zwar nichts für die deutsche Autobahn, allerdings empfehlen wir eine Reise von Wien zu dieser sowieso nicht – zumindest nicht in einem Elektroauto. Mal ganz ehrlich: 150 km/h reichen doch aus.

Lässiges Design, futuristischer Innenraum, solide Technik – gibt’s auch einen Haken? Absolut betrachtet schon: Mit 43.700 Euro ist der e-2008 GT Pack fast 10.000 teurer als der vergleichbare Benziner (130 PS, Automatik). Zwar ist die GT Pack-Ausstattungslinie die höchste, dementsprechend geht es auch günstiger (38.500 Euro Basispreis für den e-2008), dann muss man allerdings auf so nette Gimmicks wie die schwarze Dachlackierung, die Scheinwerfer im Krallen-Look, die feschen Sitzen mit Kunstleder- und Alcantara-Bezug und die 3D-Digitalarmaturen verzichten. Und die machen dieses Auto ja irgendwie aus.

Wer die fesche Alcantara-Leder-Kombination möchte, muss etwas tiefer in die Tasche greifen.

Relativ betrachtet ist der Preis hingegen voll okay. Das zeigt ein Blick zur Konkurrenz: Der kleinere Hyundai Kona Elektro mit mehr Reichweite startet bei rund 46.000 Euro, der Einstiegspreis des größeren Mazda MX-30 mit weniger Reichweite liegt bei knapp unter 35.000 Euro.

zeige mehr

Maximilian Barcelli

Bei 7.000 Touren beginnt der Spaß für den mehr begeisterten denn begnadeten Autofahrer.

Weitere Beiträge

Schaltfläche "Zurück zum Anfang"