Eierlegender WollmilchSUV

Der SsangYong Rexton im Dauertest

Als Spätgeborener eines voll im Saft stehenden Booms hat der SsangYong Rexton bravourös seine Hausaufgaben gemacht. Und gibt gekonnt den echten Geländewagen im feschen Stadtförster-Outfit.

Text: Franz J. sauer

Rein von den Abmessungen her toppt der neue Rexton so ziemlich alles, was sich derzeit an SUV und Geländeautos im Marktangebot tummelt. Direkt vergnüglich kommt es, ihn einem der Urge­steine des Segments gegenüberzu­ stellen und diesem beim Verzwei­feln zuzusehen, wenn es um Prak­tikabilität, Fahrkomfort, Platzan­gebot und Agilität geht. Gut, die Optik des anderen (mit dem wir es uns hier nicht verscherzen wollen) hat nun wieder positiv zugelegt und lässt den Rexton daher in der Beauty­-Wertung zurück – wenn man in dieser Fahrzeuggattung überhaupt ansatzweise von Schön­heit sprechen kann. Dafür kostet der andere aber auch das dreifache Holz. Und nach ein bisschen Ver­handlungsgeschick beim SsangYong-Händler vielleicht sogar das vierfache.

Eher unverhofft kamen wir zum Vergnügen, ein halbes Jahr lang SsangYong Rexton zu fahren. Was zunächst überraschte, wurde mit der Zeit verblüffend. Nämlich dahingehend, wie oberklassig sich ein Auto dieser Größenordnung um gerade mal knapp 44.000 Euro Listenpreis anfühlen kann. Einzu­kasteln wäre der Rexton nämlich in der Abteilung Mercedes­-Benz GL, Land Rover Discovery 6 und Toyota Land Cruiser. Sowohl was seine Größe angeht als auch die netten, verbauten Features in al­len Belangen.

Von all dem Luxus­-Gedöns, an das sich der verwöhnte Schnösel heutzutage längst gewöhnt hat, geht einem beim Rexton nur der Abstands­Tempomat schmerzlich ab. Sonst ist wirklich alles, alles da. Von Sitzlüftung bis Lenkrad­heizung, von Anhängerkupplung bis zur einzeln verstellbaren Rücksitzbank. Die Heckklappe muss man übrigens manuell wie­der zuziehen – wir werten das als Plus. Wer vom Heckeinstieg ver­sucht, die Rücksitzbank zu der­glengen, muss sich schon ziemlich dehnen, wer alle hinteren Sitze nach vorn klappt, kann in diesem Auto wohnen.

Anders als bei früheren SsangYongs präsentiert sich das Innere des Rexton nebst aller Displays vorzüglich aufgeräumt. Die Mus­terung des Armaturenbrettes er­innert an Volvo, die Zeichnung des Digitalteils des Dashboards an Mercedes. Letzteres lässt sich in­ sofern herleiten, als auch Motor und Getriebe (6­-Gang­-Automa­tik) aus Stuttgart stammen. Der Allradantrieb des SsangYong Rexton stammt wiederum von Mitsubishi, es ist eine modifizierte Übernahme aus dem L200. Was uns davon ausgehen lässt, dass sich das Ungetüm auch im echten Gelände wohlfühlt, wo wir noch nicht waren. Wer den Rexton als SUV bezeichnet, wird von Ver­spannungen der Vorderachse im Allradmodus auf das Geländewa­genwesen des Fahrzeuges hinge­wiesen. Auch ein Rexton hat so seinen Stolz. Und mit 3,5 Tonnen eine der größten Anhängelasten überhaupt.

Dennoch wird sich der große, feine SsangYong, dem man nun erstmals in der Firmengeschichte eine wirklich konkurrenzfähige Außenhaut angedeihen ließ, eher mit den XL­-SUVs der Großstadt matchen als mit den echten Ge­ländegängern. Das ist einerseits schade für ihn, andererseits wurscht für uns. Wir erlebten den großen Schwarzen bislang vor al­lem als zuvorkommendes Ladetier, das mit sperrigsten Gerätschaften fertig wird, und als formidablen Reisebegleiter mit ebensolchem Gestühl und ganz viel Kultiviert­heit am Antriebsstrang. Etwas ruppig fährt einem manchmal der Allradantrieb in die Parade, wenn man sich gerade ans komfortable Gestühl und die Wohnzimmerhaf­tigkeit des Inneren gewöhnt hat. Aber damit wird man leicht fertig, vor allem wenn man einmal den Rexton Sports getauften Pick­up des Wagens ausprobiert hat: Da fehlt dann schon noch einiges zur richtigen Steifheit …

Fazit nach einem halben Jahr? Der Rexton ist der Eierlegende WollmilchSUV. Mehr Auto ums Geld gibt es derzeit nirgendwo, nicht mal ansatzweise. Wer also Standesdünkel vom Weghören kennt, viel Platz, Komfort und ge­legentlich 4WD braucht, hat hier sein ideales Auto gefunden.