• Heiß und fettig

    Seat Leon FR Eurocup Edition

Wer die Klasse erfunden hat, darf sie auch mit Familienmitgliedern befüllen. Wenn die Nachfahren vom Schlage eins Seat Leon Eurocup Edition dann allerdings zum Überholen ansetzen, dürfen die Ur-Ahnen nicht beleidigt sein.

von Franz J. Sauer. Fotos: Eryk Kepski

Der Ur-Ahn in diesem Text ist natürlich der gute alte Golf GTI. Er hat die Klasse der bösen, kleinen, Unprätentiösen erfunden, damals in den Siebzigern. Aus einen Kult-Kürzel wurde ein Kultwagen, mancherorts sogar ein ganzer Kult-Lebensstil, inklusive filmischer Aufarbeitung und all dem Gedöns. Mit den Ansprüchen wuchsen Ausmaße wie Leistungsdaten, heutzutage leistet ein Golf GTI längst mehr als 200 PS, er hat auch ein etwa doppelt so massiges Auto zum „derzahn“. Wiewohl nach wie vor ein begehrenswerter Sportwagen ist der echte GTI seinen eigenen Prinzipien untreug geworden. Und darf sich somit auch nicht ernsthaft beleidigt zeigen, wenn ihn andere kompakte Boliden noch dazu aus dem eigenen Konzern puncto reinrassiger Sportlichkeit überholen.

Der Helm ist aufgelegt, sowohl sprichwörtlich als auch auf dem Bild. Er könnte einem wie dem Leon Eurocup Edition aber auch tatsächlich aus der Flanke wachsen.

Insofern verdeutlicht einer wie der Seat Leon FR ganz gut den Unterschied zwischen fett und fettig. Im Gasslwerk, auf der Piste und überhaupt im juvenilen Sportwagengeläuf fährt einer wie er Kreise um GTI’s, bei aller Liebe. Und wenn Seat Österreich dann auch noch eine g’schmackige Sonderauflage mit extraheißen Rädern, sportlichem Interieur, Schürze und sonstigen guten Extras anbietet, ist die strikte Limitierung auf insgesamt 30 Stück bloß ein Brandverstärker puncto Attraktivität.

Nevada-Weiß und Fels-Grau Metallic, jeweils 15 Stück, mehr gibt’s nicht. Alle mit dem bärigen 184 PS Diesel, gangsortiert via 6-Gang DSG. Dazu Schaltpaddles am Lenkrad, das dicke Navigationssystem Plus, Alcantara-Sitze und ein Fernlichtassistent. Gelebte Sportlichkeit in kleiner Auflage, so werden seit jeher Begehrlichkeiten geschaffen.

Fett und Fettig

Aber bleibts beim Schaf im Wolfspelz oder werden hier tatsächlich sportliche Fakten geschaffen? Dazu ein paar Zahlen: Ein Zweiliter Vierzylinder-Turbodiesel schiebt bereits bei 1750 U/min 380 Nm Drehmoment auf die Vorderachse, es herrscht also leichtes Spiel mit 1370 kg Fahrzeuggewicht. In 7,5 Sekunden wird der Hunderter erreicht, bei 226 km/h ist Schluß mit Vortrieb, fair enough. Dazu ein Sound ganz weit weg von jeglichem Genagle, ein ziemlich straffes Fahrwerk, nochmal nachgespannt durch dick auftragende, hochfesche 19Zoll-Räder mit 245er Patschen. Wer aus diesen Daten nicht schon trocken eine gewisse automobile Leichtfüßigkeit herausliest, beschäftigt sich eher selten mit sportlichen Fahrzeugen.

Edel und Exklusiv

Dass aktuell auch ein Sportauto der Kompaktklasse einen gewissen Luxus repräsentieren muss, liegt auf der Hand, nix mehr mit Fensterkurbeln oder Stoffsitzen. Dennoch spürt man es dem Leon Eurocup Edition doch deutlich ab, worum’s hier geht. Sport lautet die Devise und wenn ein Lenkrad dann ob edlerer Rauhleder-Bestoffung besser in der Hand liegt, schadet das ja nicht. Solches findet auch Gouvernal-Meister und Seat Eurocup-Starter Mario Dablander, der sich für uns die Mühe gab, dem Herrn Eurocup-Leon ein wenig an den Racing-Zahn zu fühlen.

Schnölla …

Klar besteht noch ein gewisser Gap vom Straßen-Leon bis zum Renn-Fahrzeug des Tirolers. Aber die Gene sind deutlich spürbar, gibt dieser zu Protokoll und stellt es im Echtversuch auch gleich unter Beweis. Die extremen Niederquerschnittreifen tun das Ihre zu einer saftigen Straßenlage, dass derlei den einen oder anderen Kanaldeckel  ein Spürchen zu direkt in die Bandscheibe stenografiert, gehört zum Geschäft. Vor allem das Handling begeistert den Meister, er lässt es buchstäblich fliegen, das Testgelände zu Saalfelden ist ja auch voll der verführerischen Kuppeln.

Es sieht nach Sport aus, Herrschaften. Und die Gene aus dem Rennsport sind deutlich spürbar, sagt der Rennfahrer.

In 7,5 Sekunden wird der Hunderter erreicht, bei 226 km/h ist Schluß mit Vortrieb, fair enough.

Fazit

Man sollte nun also doch schnell sein, will man noch einen der Eurocup Editions ergattern, 30 Stück sind da nicht wirklich viel. Und auch wenn der Preis kein Geschenk darstellt – man bekommt doch sehr viel mehr ums überschaubare Geld als wenn man sich nur durch die Liste kreuzelt …

… in Zahlen …

… reden wir hierbei von 30.990 Euro, mit einem speziellen Porschebank-Arrangement sogar von einem Tausender weniger. Dafür gibt es tatsächlich eine Menge Sportauto im schicken Gewand.

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