BMW iX3: Mainstream an der Ladesäule

Aus mit der Avantgarde: Nachdem BMW mit i3 und i8 der Zeit so weit voraus war, dass den Bayern kaum Kunden in die schöne neue Elektrowelt folgen wollten, machen sie in München mit dem neuen BMW iX3 jetzt auf Mainstream an der Ladesäule.

Von Thomas Geiger

Denn wenn sie zum Jahreswechsel mit E-SUV den nächsten Sturm auf die Electric Avenue schicken, ist das weder ein Designstatement und auch kein Technologieträger. Der Fünftürer ist ein zumindest der Karosserie nach ein ziemlich konventionelles SUV, das sich rein äußerlich nur durch ein bisschen Zierrat in elektrischem Blau, neue Schürzen und Schweller sowie etwas Feinschliff bei der Aerodynamik von den Verbrennern unterscheidet. 

Unter dem Blech sieht es freilich ein wenig anders aus. Denn mit dem iX3 lanciert BMW die mittlerweile fünfte Generation des E-Antriebs und macht bei Platzbedarf und Leistungsdichte von Motor und Akku noch einmal mal einen entsprechenden Sprung. So haben die Bayern erstmals den Motor, das Getriebe und die Leistungselektronik in einem Gehäuse integriert und zugleich die Effizienz des Pakets gesteigert: Wo ein Verbrenner mit einem Wirkungsgrad von weniger als 40 Prozent auskommt, reklamieren die Bayern für das um 30 Prozent geschrumpfte E-Paket bis zu 92 Prozent.

Auch der Akku wurde weiter verbessert und kann nun bei weniger Platzbedarf und Gewicht mehr Energie speichern. Um bis zu 20 Prozent wollen die Bayern diese gravimetrische Energiedichte gesteigert haben und bekommen so im beschränkten Bauraum des X3 immerhin eine Kapazität von 80 kWh unter. Die reicht im WLTP-Zyklus für 460 und nach NEFZ sogar für 520 Kilometer.

Mit dem neuen Antrieb verspricht BMW Fahrleistungen, die bei einem Sprintwert von 6,8 Sekunden und einem elektronisch auf 180 km/h beschränkten Spitzentempo auf Augenhöhe mit der Konkurrenz liegen. Und die Bayern preisen ein Fahrgefühl, wie man es bei einem BMW erwartet. Denn wenn es schon keinen Allradantrieb für das erste elektrische X-Modell gibt, kommt die Kraft wenigstens über die Hinterachse auf die Straße. Und wo die Stromer bislang stark antreten und dann um so stärker nachlassen, verspricht BMW ein sehr viel weiteres Plateau für die maximal 400 Nm Drehmoment. 

So flott der iX3 fahren will, so schnell soll er auch laden: Weil er seine Energie an Gleichstrom-Stationen zum ersten Mal mit bis zu 150 kW ziehen kann, dauert das Nachladen von 0 bis 80 Prozent nur 34 Minuten und für 100 Kilometer muss man lediglich zehn Minuten einplanen.

Auch bei der Produktion betreten die Bayern Neuland – denn gebaut wird der iX3 nicht wie die Benziner und Diesel in Spartanburg in den USA, sondern in Shenyang in China. Als erstes BMW-Modell wird er von dort in die Welt exportiert. Das ist ein Prinzip, dem bald auch Mini und Smart folgen wollen – und das Volvo-Ableger Polestar mit den Modellen Eins und Zwei bereits erfolgreich etabliert hat. Deshalb aber auf Schnäppchenpreise zu hoffen, ist vielleicht ein bisschen optimistisch. Denn mit 68.040 Euro (D) ist der iX3 nicht nennenswert günstiger als ein Mercedes EQC oder ein Audi e-Tron

Zwar ist der ix3 ein vergleichsweise konventioneller Stromer und wenn ihn ein paar Monate später der i4 folgt, wird sich der ebenfalls nur marginal vom Vierer unterscheiden. Doch so ganz haben sich die Bayern von der Avantgarde noch nicht verabschiedet. Denn als Dritter im Bunde folgt 2021 noch ein weiterer Stromer, der den Zeitsprung bereits im Namen trägt: iNext