Knallerbse

Ford Fiesta ST: Dinge selbst in die Hand nehmen!

Mit dem Fiesta gab Ford in Sachen Digitalisierung ein Lebenszeichen von sich. Die Amerikaner – beziehungsweise Deutschen – schlossen wieder ein wenig auf. Beim Fiesta ST tut das alles jedoch nichts zur Sache.

Text: Maximilian Barcelli

Bei Fords neuem Kleinsportwagen nämlich, benötigt es kein Infotainment, um bei der Fahrt nicht einzuschlafen. Überhaupt bewegt der, der die Zeit hat auf den Touchscreen im Fiesta ST herum zu tapschen, das Ding komplett falsch.

Den Radio kann man ebenso getrost unbeachtet lassen. Die Musik spielt nämlich nicht aus den Lautsprechern, sie röchelt aus den zwei Endrohren. Und ja, es ist Musik, was der Dreizylinder da von sich gibt. Er klingt kernig und unangestrengt. Dank Turboaufladung, die aus den 1,5 Litern Hubraum 200 PS quetscht, geht die Fuhre auch richtig schön vorwärts.

Und das auch schon von Null weg – trotz Frontantrieb. Der neue Ford Fiesta ST nämlich, verfügt über eine Launch-Control-Funktion. Finden tut man sie in einem Untermenü im Bordcomputer – vorausgesetzt der Wagen befindet sich nicht im Komfort-Fahrmodus.

Dann: Kupplung durchtreten, Gaspedal in den Boden drücken und auf das Signal warten. Ist es da, ist der Ford bereit. Schlagartig von der Kupplung gehen. Und ab geht die Post. Eins, Zwei, Drei, Vier, Fünf, Sechs – und zack, schon ist man seinen Führerschein los, falls man die Beschleunigungsorgie im Ortsgebiet genoss.

Die Gänge dabei durch zu sortieren ist eigentlich wohl die größte Freud daran. Wie heißt’s so schön: Kurz und knackig, mehr so roh und brutal als smooth. Knackig ist übrigens auch das Fahrwerk, ebenso wie das durchaus sportiv ausgelegte Recaro-Gestühl. Überhaupt ist der Ford Fiesta ST, wie ja die meisten seiner Mitbewerber auch, eher was für die Generation Y. Oder die ewig Junggebliebenen.

Ewig jung sein, das zahlt sich dann aber spätestens auf der Landstraße aus. Die Lenkung ist wirklich allerfeinst, ganz wunderbar. Da darf sich die Konkurrenz gut und gerne eine Scheibe abschneiden. Oder am besten gleich zwei. Der Fiesta ST liegt auch ganz wunderbar in der Kurve, ist schön berechenbar. Untersteuern kündigt er stets an, übersteuern … ja, eh.

Viel wichtiger als Rundenzeiten allerdings sind die Emotionen. Und die sprudeln bei forcierter Fahrt im Ford Fiesta ST nur so aus einem heraus. Weniger emotional hingegen ist die Optik des Deutschen. Der aktuellen Generation hat Ford ein Allerweltsgesicht aufgezogen, die exzentrischen Heckleuchten zum Beispiel sind Geschichte. Halb so dramatisch. Denn gut sieht der Fiesta – besonders als ST mit einer Kombination aus Understatement und sportlichen Akzenten – auch jetzt noch aus. Auch wenn er verwechselbarer geworden ist.

Unverwechselbar hingegen: Der Preis, der bei 23.350 Euro startet. VWs sportlicher Kleinwagen, der Polo GTI, kostet mindestens 26.440 Euro, der Renault Clio R.S. gar 27.490. Beide Konkurrenten sind allerdings mit einem Automatikgetriebe ausgerüstet. Doch wenn du gerade das Gaspedal im Fiesta gen Boden drückst und gierig den nächsten Gang reinschmeißt, ist die Frage nach einer Automatik sowieso obsolet.