Der Groove

Der Honda Jazz im Test

Es muss nicht immer der Überluxus oder die Megapower sein. Manchmal reicht es auch, wenn man einfach im Groove ist. So wie der Honda Jazz, der cool ausschaut, fröhlich fährt und mich im Test das Dahingrooven auf vier Rädern gelehrt hat.

Text: Jakob Stantejsky

Kennt ihr „Ein Königreich für ein Lama“? Ich gehe mal fest davon aus, falls doch nicht, habt ihr hiermit einen Weiterbildungsauftrag erhalten. Wenn uns dieser Kultfilm eines beigebracht hat, dann, dass man immer im Groove bleiben muss. Der Honda Jazz ist hierfür das perfekte Fahrzeug, denn schon seine Optik überzeugt mit easy going Coolness.

Rote Zierleisten an Frontsplitter und Heckdiffusor, – ja, der Jazz hat einen (kleinen) Diffusor – stylische schwarze Felgen und ein sich insgesamt sehr im Flow befindliches Design strahlen eine lässige Wurschtigkeit aus, die so einem Kleinwagen nur gut tun kann. Denn das man mit dem Vehikel weder im Luxus noch im Adrenalinrausch schwelgen wird, ist eh klar. Aber das heißt noch lange nicht, dass der Jazz deshalb fad sein muss oder ist. Der so chic auftretende Zwerg zaubert ein Schmunzeln auf die Lippen, das sich auch nach dem Einsteigen nicht verliert.

Denn auch im Innenraum gibt sich Honda alle Mühe, den Kleinwagenhorizont zu überschreiten. Klar, Lederlenkrad und -schaltknauf sind nicht von der Basis weg Serie, aber wir bewerten hier ja auch unseren Testwagen – und der ist eben richtig fein herausgeputzt. Die frei schwebende Mittelkonsole übt sich in Aufgeräumtheit und kommt mit ganz wenigen Analogdrückerln und -dreherln aus, der Infotainmenttouchscreen und sein Layout wirken jetzt nicht supermodern, sind jedoch übersichtlich und easy zu bedienen. Die großen runden Analoginstrumente hinter dem Lenkrad erwecken heutzutage regelrecht Nostalgie und passen sich schön ins frische Gesamtbild ein.

Nicht nur das Auge, sondern auch der restliche Körper fühlen sich im Honda Jazz sehr schnell sehr wohl. Es sitzt sich bequem und alles geht fein von der Hand, da gibt es kein unnötiges Herumgefummel. Das Platzangebot erscheint überraschend üppig und dementsprechend fühlt man sich schön frei – trotz Kleinwagen-Dimensionen.

Den Jazz gibt es mit zwei verschiedenen Motoren, die allerdings mit 102 und 130 PS beide ziemlich frech unterwegs sind. An dieser Stelle gibt es auch ein grooooßes Lob an die Japaner, die entweder eine CVT-Automatik oder ein SECHSganggetriebe verbauen. Das nervtötende Gejaule eines Fünfgängers auf der Autobahn sollte nämlich schon längst der Vergangenheit angehören, auch und vor allem bei Kleinwagen. Aber da sind viele Konkurrenten noch immer unbelehrbar. Unser handgeschaltener Tester ließ sich jedenfalls flott umrühren und tanzte auch mit ordentlich Groove durch die Kurven, wenn auch die große Sportlichkeit nicht sein Metier ist.

Lässig, chillig und flott ist der Honda Jazz zu bewegen. So jugendlich er sich dabei auch gibt, so angenehm erwachsen ist er für Kleinwagenmaßstäbe in Punkto Fahrtechnik. Was er einem größeren Auto an Noblesse hinterherhinkt, das macht er mit Witz wieder wett und respektvolles Bewundern seiner größeren und schweren Kollegen ist ihm gänzlich fremd. Er geht einen lockereren Weg, der hervorragend passt.

Wer den Groove des Königs stört, der wird in „Ein Königreich für ein Lama“ hochkant aus dem Palast geschmissen. Der Honda Jazz wäre da sicher etwas leiwander aufgelegt und würde den Frevler wohl eher bei einer Mitfahrt von sich überzeugen. Das Zeug dazu hat er allemal und spannender als so mancher vom jeweiligen großen Bruder abgepauster Kleinwagen anderer Hersteller ist er definitiv. Zurzeit machen fesche Kleinwagen allerhand Reden von sich – man denke an den neuen Peugeot 208 – und der Jazz sollte dabei nicht außen vor gelassen werden. Der Name passt jedenfalls perfekt, den groovier als Jazz wird es sowieso nicht.