Lauter Feinde

Die Autowelt hat‘s nicht leicht zur Zeit. Die Einen schimpfen auf SUV, die anderen auf E-Autos. Und die Industrie versucht es allen recht zu machen. Dabei liegt die Wahrheit vermutlich in der Mitte.

Nein, der SUV steht nicht erst seit Greta im Fokus der negativen Energie. Er war schon vorher das Böse. Eigenschaften wegen, die er zwar durchaus gerne mitführt, aber die ihn keineswegs ausmachen. Nein, ein SUV muss nicht tausende PS haben, er funktioniert auch mit knapp unter 100. Nein, ein SUV muss nicht mehr als 2 Tonnen haben, er kann auch ziemlich leicht auftreten. Nein, ein SUV braucht nicht mehr Platz als ein PKW der jeweils vergleichbaren Klasse, einzig in die Höhe geht er weiter. Womit gleich auch jenes Argument für die Hochstelzer gefunden wäre, das ihren Verkaufserfolg zum größten Teil ausmacht: Das Platzangebot. Leichteres Einsteigen, mehr Kopffreiheit, bessere Übersicht über das restliche Verkehrsgeschehen. Und mehr Platz auf den Rücksitzen und im Kofferraum. Nicht umsonst lief der SUV dem einst so beliebten (und nicht minder schweren, starken Mini-VAN) zuletzt den Rang in den Statistiken ab. Und nein, Familie Beranek von Stiege 16 mit den zwei Teenagern und dem großen Hund, die gerne auf Camping-Urlaub fährt, ist nicht zwingend jener Kohorte an Rap-Musikanten zuzuordnen, die Automobile in ganz stark, ganz groß und ganz schwarz vor allem deshalb braucht, weil es ihrem Image entspricht.

Der böse E-Motor

Nein, das Elektroauto wird das normale Auto, also jenes mit Verbrennungsmotor, nicht in absehbarer Zeit vollständig ersetzen. Dagegen sprechen gleich mehrere Gründe. Die Infrastruktur fürs Aufladen fehlt, bzw. matcht sie noch nicht mit den Reichweiten der Akkumulatoren. Die Produktionskapazitäten fehlen ebenso. Und auch das Modellangebot der Hersteller reicht noch nicht aus, um das Gesamt-Auto-Aufgebot dieser Welt auch nur ansatzweise zu substituieren. Vorerst wird noch verbrannt werden, auch selbstgezündet (vulgo: Diesel). Und auch wenn die genuinen Benzinbrüder heute noch vollmundig darüber jammern, wie sehr sie doch Lärm, Geruch, Benzin und all die anderen Totems der Verbrenner-Zeit bei den leisen, unstinkenden E-Mobilen vermissen – spätestens wenn ihnen die E-Mobile bei Motorsport-Bewerben reihenweise um die Ohren fahren, werden sie ganz schnell zu Fans der neuen Antriebstechnologie werden.

Der gute Verbrenner

Verbrennungsmotoren sind zwar alt, haben sich aber immens schnell weiterentwickelt. All jene, denen die heute durchaus standardisierten 300 Kilometer Reichweite, welche die meisten Elektroautos längst zur Verfügung stellen, zu wenig sind, mögen bloß ein paar Jahre zurückdenken. Golf 2, Mercedes-Benz W123, BMW E30, all die Fiats, Opels, Nissans, die wir gerade-noch-Millennials in lebhafter Erinnerung haben – keiner von denen lief mit einer Tankfüllung weiter als 350 Kilometer. Ein Range-Rover V8 Baujahr 2002, jener mit der guten, alten 4.4 Liter BMW-Maschine, brachte vollgetankt und bei 70 Prozent Stadtverkehr gerade mal 400 Kilometer auf die Uhr, bis der nächste Tankstopp (70 Liter Super) fälllig war. Dafür leistete er 286 PS, wahey.

Nun, der brandneue Peugeot 3008 HYbrid4 stemmt 300 PS auf vier Antriebsräder. Verteilt auf zwei Motoren, einer davon elektrisch. Und braucht ungefähr ein fünftel so viel Sprit, wie der dicke Range vor 15 Jahren.

Das beste beider Welten

Hybrid-Autos mit Stecker haben fast alle Hersteller im Programm. Sie packen jene Zwitter-Antriebe in SUV, in Limousinen, Sportwagen und sogar in Lastautos. Dabei werden auf effiziente Art und Weise die Stärken des Verbrenners (wenig Verbrauch bei konstanter Drehzahl, also auf der Autobahn oder Überland plus die Fähigkeit, als Generator zu fungieren) mit den Stärken des E-Motors (Mega-Antritt in der Stadt, wenig Stromverbrauch ebendort, komfortables, weil leises und emissionsfreies Fortbewegen dort, wo sich Lärm und Abgase kulminieren, also in der Stadt) kombiniert. Lädt man günstig, also nachts und daheim, hat man in der Früh volle Batterien, genug jedenfalls, um den durchschnittlichen Stadtfahrbedarf an Reichweite übrig zu haben. Fährt man auf die Stadtautobahn oder überland, nutzt man den Verbrenner, auch zum Wiederaufladen der Akkus (Hybrid-Systeme, die derlei nicht können, verschwinden zusehends aus den Preislisten). Heraus kommen dabei sensationelle Durchschnittsverbräuche auf der Verbrenner-Seite und börselsparende Stromverbräuche, wenn intelligent genutzt. Auch oder: besonders bei SUV-Modellen, übrigens. Die durch ihr Mehr an Platzangebot auch die großen Batterien behende verstauen. Und auch die Mehrmasse fällt hier weniger ins Gesamtgewicht als bei Kleinstautos (obwohl es auch schon die in ansprechenden E-Versionen gibt, siehe Volkswagen e-up!)

Tesla? Ja super! Wenige Automobile schafften es in den letzten Jahren für so viel Geprächsstoff zu sorgen, wie die mobilen Apps aus dem Silicon Valley. Sei es an der Börse, auf der Straße oder der Automesse. Und übrigens auch Menschen für die Automobilität zu begeistern, die bislang wenig bis gar nichts damit am Hut hatten. Ausserdem setzte Elon Musk mit seinen Visionen einen ungeheuren Entwicklungsschub unter den althergebrachten Autofirmen in Gang, die ja immer erst einen Zeck im Pelz brauchen, bevor sie entwicklungsmäßig angasen.