Sternzeichen großer Wagen

Die neue Mercedes V-Klasse

Donald Trump will wieder auf den Mond, Elon Musk träumt vom Mars und die Chinesen haben auch ein Auge ins All geworfen: Die Raumfahrt hat gerade wieder Rückenwind. Das merken sie selbst bei Mercedes. Denn obwohl doch angeblich alle Welt nach SUV und Geländewagen schreit, hat die V-Klasse 2018 in ihrem vierten Jahr sogar noch mal einen Verkaufsrekord erzielt. Damit der Höhenflug auch weiter anhält, haben die Schwaben ihren Raumkreuzer jetzt noch einmal überarbeitet.

Von Thomas Geiger

Wenn das Space Shuttle mit Stern im Mai zu Preisen ab 50.242 Euro auf die Straße rollt, gibt es für den Passagierkreuzer und das Wohnmobil Marco Polo deshalb nicht nur ein bisschen frische Schminke und eine neue Schürze an der Front und ein aufgewertetes Cockpit, sondern es gibt auch ein paar neue Extras und vor allem einen neuen Motor.

So hält nun auch beim Van der modernste Mercedes-Diesel Einzug. Der zwei Liter große Vierzylinder, der mit einer aufwändigen Chemie-Fabrik fit gemacht wird für die schärfsten Abgasnormen, wird zunächst in drei Leistungsstufen angeboten: Als V220 leistet er 163 PS und bringt 380 Nm auf die Kurbelwelle, für den V250d nennt Mercedes 190 PS und 440 Nm und als V 300d kommt er auf 239 PS und ein maximales Drehmoment von 500 Nm, das im Overboost kurzfristig sogar auf 530 Nm klettert.

Zwar knurrt der Motor deutlich lauter als in C-Klasse & Co und man spürt ein paar Vibrationen. Doch fährt man den Wagen jetzt noch entspannter. Denn zum erhabenen King-Of-The-Road-Gefühl auf dem hohen Fahrersitz und all dem Komfort, den man vom Pkw kennt, gibt es jetzt eine neue Souveränität etwa beim Überholen. Die Geduldsprobe beim Kickdown auf der Autobahn wird jedenfalls sehr viel kleiner, wenn man mit 120 oder 140 mal eben am Vordermann vorbeiwischen will. Nicht umsonst beschleunigt die V-Klasse jetzt im besten Fall in 7,9 Sekunden von 0 auf 100. Und wer es wirklich wissen will, erreicht bei Vollgas bis zu 220 km/h.

Auch wenn diese Werte sich selbst hinter einer C-Klasse aus dem Mittelfeld der Modellpalette nicht verstecken müssen, ist allerdings eine gewisse Zurückhaltung angeraten. Erstens, weil man sonst den Normverbrauch vom bestenfalls 5,9 Litern natürlich nichtmal im Traum erreicht. Und zweitens, weil die V-Klasse nicht nur zu groß und zu schwer ist für die Kurvenhatz. Sondern anders als ein nicht minder unhandlicher GLE hat der Van auch einen deutlich höheren Schwerpunkt sowie ein zwar komfortables aber weniger ausgefuchstes Fahrwerk und auch die Sitzposition ist alles andere als sportlich. Dafür allerdings thront man förmlich über den Dingen und wird auf jeden Fall entspannter – wer nicht gerade im Kurierdienst unterwegs ist oder im der professionellen Personenbeförderung, von dem fällt so plötzlich alle Eile ab.

Neben Antrieb und Aussehen hat Mercedes auch die Ausstattung überarbeitet und dabei gleichermaßen Komfort und Sicherheit erhöht. So werden Brems- und Fernlichtassistent schlauer und die Sitze bequemer. Denn zum ersten Mal kann man für die zweite von drei Reihen in dem Van Komfortsessel bestellen, in denen man bequemer reist als in der S-Klasse – samt Massage, Liegefunktion und Klimatisierung.

Zwar hält sich der Aufwand für das Facelift auf den ersten Blick in engen Grenzen, doch eine Neuheit mit größerer Tragweite haben die Schwaben noch in petto: Zum Jahresende kommt die V-Klasse als erste ihrer Art auch mit einem 204 PS starken Elektromotor. Auch wenn 160 km/h Spitze und 400 Kilometer Reichweite für ein Space Shuttle ein bisschen wenig sind und selbst Elon Musk nicht elektrisch zum Mars möchte, fährt die V-Klasse so auch in der Öko-Wertung in die Pole Position.