Let the sun in

Motorblock-Erstausfahrt mit dem BMW Z4!

Der Himmel strahlend blau, die Temperatur lieblich und im Hintergrund die Brandung des Pazifiks – viel besser als der Golfkurs von Pebble Beach könnte die Kulisse für die Premiere des neuen BMW Z4 kaum sein.

Von Thomas Geiger

Die Idylle jedoch ist trügerisch und die Stimmung in diesem Segment alles andere als rosig. Denn seit Jahren sind die Verkaufszahlen der offenen Zweisitzer im Sinkflug und allerorten droht den Roadstern der Ausverkauf. Nicht umsonst hat sich auch BMW über ein Jahr Pause beim Generationswechsel gegönnt und die neue Auflage erst in Angriff genommen, als die Bayern Toyota als Partner ins Boot nehmen konnten. Für die Japaner entwickeln sie in München die Neuauflage des legendären Supra, der gemeinsam mit dem Z4 als schmuckes Sportcoupé in Graz vom Band laufen wird.

Das Warten hat sich jedenfalls gelohnt und BMW macht sich berechtigte Hoffnungen, dem sterbenden Segment wieder ein wenig Dynamik einzuhauchen. Denn während die dritte Generation des Roadsters eher ein schwerfälliges Schönwetter-Auto war, soll die überfällige vierte Auflage wieder zum richtigen Sportwagen werden: „Den neuen Z4 nimmt man nicht am Sonntagnachmittag zur Kaffeefahrt, sondern für den steht man früh auf und genießt die Straßen, solange sie noch leer sind“, sagt Fahrdynamik-Chef Jos van As und schickt die Prototypen auf die Piste.

Trotz acht Zentimetern mehr Länge rund 50 Kilo leichter als früher (nicht zuletzt dank der Rückkehr zum Stoffdach), mit breiterer Spur, kürzerem Radstand und zudem ausgestattet mit adaptiven Dämpfern, einer progressiven Sportlenkung und einem elektronisch geregelten Differential fühlt sich der Zweisitzer deshalb auf einer kurvigen Straße wie dem 17-Miles-Drive auf Anhieb wie zuhause. So präzise, wie man den Z4 mit Lenkhand und Gasfuß positionieren kann, so leicht, wie sich der lange Bug in die Kurve dreht und so früh man den Wagen am Ausgang der Kehre mit einem Gasstoß wieder gerade stellen kann, braucht man für diesen Roadster keine breiten Boulevards mehr.

Schon möglich, dass er auch eine weiche Gangart beherrscht. Denn wofür thront auf dem Mitteltunnel schließlich noch der Fahrerlebnis-Schalter? Doch will man das überhaupt? Wir meinen: Nein! Zumindest mit dem Prototyp auf der abgesperrten Teststrecke kämpft man sich Runde für Runde näher heran an die Ideallinie und freut sich darüber, dass der Z4 als erster seiner Art ein vollwertiges Head-Up-Display bekommt. So bleiben die Augen immer auf dem Kurs und man holt in der nächsten Schikane gleich nochmal ein paar Hundertstel raus.

Zur sportlichen Positionierung der Neuauflage passt auch die Motorauswahl. Denn los geht es zu Preisen ab etwa 60.000 Euro, erst einmal nur mit dem M40i: Drei Liter Hubraum, 340 PS, 500 Nm und ein Sprintwert von 4,6 Sekunden von Null auf Landstraßentempo sollten Grund genug sein, sich morgens auch mal etwas früher aus dem Bett zu schälen. Und für alle Langschläfer hat BMW einen Trost: Später im Jahr gibt es auch zwei Vierzylinder, mit denen die Leistung auf 200 PS und der Preis auf gute 40.000 Euro fallen soll. Und bis die kommen, kann man sich ja nochmal rumdrehen und die Schlummertaste aktivieren. Oder einfach ein Sinnenbad nehmen – zumindest in Pebble Beach.