Vier gewinnt

Das steckt hinter dem Design von Mercedes!

Mercedes lud zum Design Workshop nach Stuttgart. Nicht nur, um ein paar Marketingphrasen loszuwerden, sondern vor allem, um der anwesenden Journaille zu veranschaulichen, wie viel Hirnschmalz ins Optische gesteckt wird – und wohin die Reise gehen wird. 

Wohin sie gegangen ist, wissen wir ja bereits: A-Klasse anno 2004. Und es geht noch schlimmer: Man tausche das A einfach gegen ein R. Aber Spaß beiseite. Erstens liegen diese Modelle (besonders die 2004er A-Klasse) schon ein Zeiterl zurück. Zweitens lassen sich Designsünden sowieso in jedem Regal finden. Drittens: Ein SLS kann verdammt vieles wett machen. Und viertens: Der Stern hat sich – Stand 2018 – gefunden. Also designtechnisch. Und zwar in viererlei Hinsicht.

Denn Mercedes ist schon lange nicht mehr einfach nur Mercedes. Klar, es gibt ihn noch, den klassischen Benz. Stern auf der Haube, horizontale Streben im Kühlergrill und alles, was eben so dazugehört. Allerdings haben sich die Submarken vermehrt. AMG sorgt für die sportliche Note, Maybach für noble Extravaganz. Und dann gibt’s auch noch EQ, die neuste Marke im Bunde. Sie befasst sich mit Elektromobilität und soll optisch futuristisch wirken.

Das erreichen die Konzeptfahrzeuge EQ und EQ A vor allem mit einem Kühlergrill, der eigentlich ein Bildschirm ist. Und schon sind wir bei dem automobilen Merkmal angelangt, bei dem Gorden Wagner, Chefdesigner bei Mercedes, die Differenzen der Marken am meisten hervorhebt: Der Kühlergrill nämlich.

Bei AMG heißt dieser bekanntlich Panamericana und ist sozusagen der Grill fürs Grobe. Vertikale Streben in größeren Abständen sorgen für ein markantes, aggressives Gesicht. Wenn du den im Rückspiegel erblickst – vermutlich nicht allzu lange –, dann weißt du, was los ist. Auch Mercedes-Maybach setzt auf vertikale Streben. Neuerdings nicht nur bei ihren Konzepten, sondern auch bei der S-Klasse. Die Modelle von Mercedes-Benz hingegen tragen die Streben, wie bereits erwähnt, horizontal und bei EQ ist der Grill ja – weil Bildschirm – variabel. So animiert er beispielsweise eine virtuelle, horizontale Strebe im Komfort-Modus, schaltet man auf Sport um, erscheinen mehrere rote, vertikale Streben, die wohl den Panamericana Grill imitieren.

Übrigens, die Reihenfolge der Marken eben war kein Zufall. Seit bereits etlichen Jahren übt Mercedes beim Design nämlich das Konzept der Bipolarität aus. Auf der einen Seite stehen die „Hot“-Marken, also die, die besonders emotional (AMG und Maybach) sind. Auf der anderen Seite wiederum die „Cool“-Marken (Benz und EQ). Marketingfloskeln? Mag sein. Das macht die Autos aber auch nicht unschöner.