Fahrsicherheitstraining beim ÖAMTC

Wir Unbelehrbaren

Text: Maximilian Barcelli

Teesdorf. Da kommen Erinnerungen hoch, die meisten allerdings von Stress geprägt. Hier, im Süden von Wien tat ich einst meine ersten (legalen) Schritte im Automobil. Auf dem Beifahrersitz saß der Papa mit verschwitzter Glatze und 180 Puls. Außerhalb des Fahrzeuges waren weitere verwirrte Führerscheinanwärter zu sehen, die verzweifelt das zehnte Mal versuchten ihr Fahrzeug von der Ampel zu bewegen, ohne den Motor abzuwürgen.

Einige Zeit später schlüpfte ich dann in die Rolle des gestressten Beifahrers – am Lenkrad meine Schwester die panisch die richtige Balance zwischen Gas und Kupplung finden musste.

Wir spulen nach vor. Viele Kilometer und einige Blitzer später, man ist weiser und älter geworden, schwirren dann ganz neue Fragen bezüglich des Fahrens im, mit etwas weniger Haaren bedeckten, Kopf herum. Wie auch immer. Das Autofahren per se ist natürlich kein Problem mehr. Die Neugier beruht nun auf weitaus kritischere Themen, als das Schalten beziehungsweise Losfahren.

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Wie verhält es sich eigentlich im Grenzbereich? Was, wenn ich eine Kurve mal versehentlich mit einer Geschwindigkeit nehme, die nicht ganz so tranquillo ist?

Aber der Staat denkt ja gottlob für uns mit. Also beschloss man ab 2003 jeden Führscheinfrischling durch einen Schleuderkurs zu schicken, um seine Reflexe auch in Notsituationen zu optimieren. Wir fühlten dem Fahrsicherheitstraining auf den Zahn und durften feststellen, dass Kurven im Kamikazemodus zu fahren keine unlustige G’schicht ist.

Vor dem Vergnügen kommt bekanntlich ja die Arbeit, welche sich in einem mehrstündigen verkehrspsychologischen Gespräch offenbart. Schnell fahren ist gefährlich, das ist schlecht, das sollte man nicht machen und so weiter und so fort. Jaja. Aber die Praxis ist lehrreicher als in der Theorie. Wir sind beim Vergnügen angekommen.

Rein ins Auto und auf zu den ersten zwei Übungen. Slalom am Limit fahren hat schon was, der erste Wow-Effekt trat allerdings erst bei den Notbremsungen auf. Mit etwa 50 km/h brettert man da zwischen Hütchen durch, kommt man an der markierten Stelle an, heißt es bremsen was das Zeug hält. Nächster Versuch und die Geschwindigkeit wird um fünf bis zehn km/h erhöht – unfassbar, wie sich der Bremsweg durch eine so kleine Geschwindigkeitserhöhung verlängert.

Dann geht’s ans Eingemachte: Notbremsungen kombiniert mit Ausweichen vor simulierten Hindernissen. Schnelles Kurvenfahren. Abfangen eines ausbrechenden Hecks nebst wertvoller Erkenntnis: Bevor man sich nicht sicher ist, das Auto wieder einfangen zu können, sollte man einfach auf die Bremse steigen. Und wenn dabei die Reifen nicht quietschen, macht man etwas falsch. Last but not least: Die Schleuderplatte. Macht Spaß, der erweiterte Lerneffekt stellt sich ebenfalls ein.

Aus Spaß wird allerdings noch mehr Spaß, nämlich ohne Hilfssysteme. Das Auto einzufangen gelingt mir trotzdem, ein gutes Gefühl!

Abschließend ist zu sagen, dass das Fahrsicherheitstraining sowohl Spaß bietet, aber eben auch Lerneffekte. Es wird spielerisch vermittelt, wie verheerend sich ein paar km/h zu viel auswirken können.

Umso trauriger, wenn man bei der Fahrt nachhause die Tachonadel wieder jenseits der 130 ertappt. Manche Menschen sind halt unbelehrbar.