Elektrisches Monster

Das ist der VW ID. R für die Nordschleife

Mit einer Zeit von 7:57,1 Minuten pulverisierte der Elektro-Rennwagen ID. R von Volkswagen letztes Jahr den Streckenrekord für den legendären Pikes Peak Hill Climb. Nun soll der nächste Rekord auf der nächsten Kultstrecke fallen.

Text: Maximilian Barcelli

Diesmal wird jedoch keine Bergrennstrecke in Angriff genommen, sondern die Nordschleife – und die verlangt natürlich nach einer ganz anderen aerodynamischen Abstimmung. Das aber nicht nur, weil die Streckenlayouts so ähnlich wie Bernie Sanders und Donald Trump sind, sondern weil die Nordschleife auf höchstens rund 620 Metern Seehöhe liegt – der Pikes Peak auf über 4.300.

Wie auch immer. Um den Nordschleifen-Rekord für Elektrofahrzeuge in Angriff zu nehmen, mussten jedenfalls aerodynamische Grobheiten angepasst werden. Vor allem der Heckspoiler kam ordentlich unters Messer. Um den Luftwiderstand (und somit aber auch den Abtrieb) zu verringern, ist dieser nicht mehr ganz so kolossal wie zuvor. Und er wurde mit dem aus der Formel-1 bekannten DRS-Systems ausgerüstet. Somit ist auf langen Geraden ein kleinerer Energieaufwand notwendig, um die Spitzengeschwindigkeit zu erreichen sowie zu halten.

Während der Heckflügel an Dominanz verloren hat, ist der Unterboden noch immer extrem. Auch noch immer extrem ist die Leistung: Zwei E-Maschinen generieren 680 PS, die stärkere treibt die Hinterachse, die schwächere die Vorderachse an. Reicht, sollte man meinen.

Allerdings verfügt der NIO EP9 über exakt ein Megawatt Power – also sagenhafte 1.360 PS! Und seine Zeit gilt es zu schlagen: Mit 6:45,9 Minuten ist der chinesische E-Supersportler nicht nur das schnellste Elektrofahrzeug in der grünen Hölle, sondern verputzt auf der rund 20 Kilometer langen Strecke auch Größen wie den Lamborghini Huracán Performante, Porsche 911 GT2 RS oder Dodge Viper ACR.

Einen fundamentalen Nachteil hat der NIO EP9 gegenüber dem VW ID. R allerdings: Er ist durch seine Straßenzulassung an ein Reglement gebunden. Von dem her auch wieder ein bisserl unfair, kommt der Volkswagen somit quasi mit dem Messer zum Faustkampf.