Comeback als Offroad-Fiesta

Der neue Ford Puma

Er war der Held vieler Heizer und so etwas wie der europäische Mustang für Einsteiger. Denn als Ford den Fiesta zum Puma gemacht hat, zuckte plötzlich ein bisschen Lust und Leidenschaft durchs Kölner einerlei und die Marke hat mal wieder für Aufsehen gesorgt. Das ist jetzt zwar 22 Jahre her und 2001 wurde der letzte Puma gebaut. Doch zumindest im Unternehmen ist das kleine Coupé nicht vergessen. Deshalb graben die Kölner den Namen jetzt wieder aus und pappen ihn auf das Heck eines neuen Kleinwagens, der – wie könnte es auch anders sein – als SUV den Markt aufrollen will.

Von Thomas Geiger

Dabei gibt es durchaus ein paar Gemeinsamkeiten: Denn der neue Puma basiert nicht nur wie damals auf dem Fiesta, sondern er sieht auch ähnlich sportlich aus wie das Westentaschen-Coupé von einst. Ende diesen Jahres bestellbar und Anfang 2020 auf der Straße soll der wiedergeborene Berglöwe zu Schätzpreisen in der ersten Hälfte der 20.000er gegen Renault Captur, Peugeot 2008 oder VW T-Cross antreten.

Dabei setzt Ford auf eine Kombination, die selten ist in dieser Klasse. Denn entweder sind die Autos betont expressiv gezeichnet, modisch und frech. Oder sie sind sehr vernünftig, funktional und praktisch. Doch die Kölner wollen beides bieten und schaffen trotz des entfernt an Porsche Cayenne und Macan erinnernden Coupé-Designs und gerade mal 4,15 Metern Länge überraschend viel Platz im Innenraum. Das spürt man schon hinter dem Lenkrad und auf der Rückbank, doch besonders merkt man das, wenn – zum ersten Mal in diesem Segment – nach einem angedeuteten Fußtritt die Heckklappe aufschwingt: Denn mit 456 Litern ist der Kofferraum einer der größten in dieser Klasse. Außerdem ist die Durchladebreite ungewöhnlich groß und das Fach unter dem Kofferraumboden nennt Ford zurecht die Mega-Box:  Mit noch einmal 80 Litern Volumen und reichlich Tiefgang hilft es beim Verstauen hoher Gegenstände wie Golfbags und eignet sich besonders für den Transport schmutziger Gegenstände. Denn ist der Dreck erst einmal draußen, spritzt man die MegaBox einfach aus und lässt das Wasser wie in der Badewanne durch einen Abfluss laufen.

Während der Kofferraum damit in jeder Hinsicht konkurrenzlos ist, wirkt der Rest des Innenlebens auf gehobenem Niveau konventionell – denn mit einem großen Touchscreen samt Online-Infotainment, digitalen Instrumenten und einer kabellosen Ladeschale kann man in dieser Klasse heute niemanden mehr zum Wechsel der Kaufentscheidung bewegen. Mit einer eleganten, für Ford fast liebevollen Materialauswahl und unterschiedlichen Themenwelten auch nicht. Und so stolz die Kölner auf den Autobahn-Assistenten oder die Rückfahrkamera mit Split-View-Technologie sind, gibt es auch solche Extras andernorts schon länger.

Unter der Haube dagegen geht Ford noch einmal in Führung. Zwar gibt es den Puma anders als seinen kleinen Bruder EcoSport und den großen Onkel Kuga nicht mit Allrad und die siebenstufige Doppelkupplung kommt erst später. Doch als einer der ersten seiner Art startet Ford den kleinen Großstadtlöwen als Mild-Hybrid und kombiniert den famosen Ecoboost-Dreizylinder mit einem 48-Volt-Generator. Der steuert 16 PS und 50 Nm bei und treibt das vorläufige Top-Modells auf 155 PS, soll für spritzige Spurts sorgen, das Turboloch beim Überholen stopfen und zugleich durch längere Segeletappen bei niedrigem Tempo und mehr Start-Stopp-Phasen den Verbrauch zügeln.

So ganz allein auf den Mild-Hybriden vertrauen wollen die Kölner allerdings nicht. Den gleichen Motor gibt es auch als konventionellen Turbo ohne Riemenstarter mit 125 PS. Und auch einen Diesel mit 1,5 Litern Hubraum und ebenfalls 125 PS hat Ford noch in Petto. Was nach fehlt und viel besser zum Puma passen würde, wäre allerdings eine ST-Version mit der sich der Berglöwe gar vollends zum König im Dschungel der Großstadt aufschwingen könnte.