Blick in die Zukunft

Kehrt der ikonische BMW M1 als Vision M Next zurück?

Der BMW M1 ist eine Ikone der 70er beziehungsweise 80er – die bis heute keinen Nachfolger hat. Ändert sich dieser Umstand mit dem BMW Vision M Next nun?

Von Thomas Geiger

Es ist wie eine offene Wunde, die jeden einzelnen Mitarbeiter der M GmbH schmerzt: Bis heute haben die Scharfmacher aus Garching nicht verwunden, dass sie keinen Nachfolger für den legendären M1 bauen dürfen. Und die Tatsache, dass die Kollegen bei der Konkurrenz in Neckarsulm und Affalterbach mehr Freiheiten genießen und sich mit Autos wie dem Audi R8 sowie dem Mercedes AMG GT mehr denn je von der Muttermarke emanzipieren konnten, stachelt den Schmerz nur weiter an.

Dabei hat es an Ideen für einen Erben des ersten und einzigen bayerischen Supersportwagen nie gemangelt: Wer bei der M GmbH  auch das Sagen hatte, er hatte auch immer ein paar Skizzen oder gar Modelle in seinem Schreibtisch und ab und an hat es sogar mal eine Studie auf eine Messe oder auf die Villa d’Este geschafft. Aber passiert ist bislang nichts. Doch weil die Hoffnung zuletzt stirbt und weil der Aufbruch ins Zeitalter der Elektromobilität auch ein paar neue Möglichkeiten schafft, nehmen sie jetzt in Garching noch einmal einen neuen Anlauf und Rücken zur Hausmesse in der BMW Welt eine weitere Studie ins Rampenlicht. Vorhang auf und Bühne frei für den Vision M Next, der in zwei, vielleicht drei Jahren den mittlerweile in die Jahre gekommenen i8 beerben und gleichermaßen die Erinnerung an den M1 wachhalten könnte.

So scharf und kantig gezeichnet, als hätten die Designer ihn mit dem Beil aus einem Block geschlagen, wirkt der Supersportler für übermorgen zumindest von außen ziemlich gegenwärtig: Ja, die Niere ist mal wieder neu interpretiert und das Farbkonzept mit den matten Neonfarben für Front und Heck ist spektakulär. Aber die Keilform mit den Flügeltüren, dem flachen Bug und dem hohen, breiten Heck ist Standard in dieser Klasse und der i8 sieht neben dieser Studie immer noch futuristisch aus.

Innen sieht das ein bisschen anders aus. Denn mit dem Vision M Next stellt BMW auch seine Idee vom Infotainment der Zukunft vor. Wo es mit dem iNext vor allem um digitale Entgiftung geht, man sich zurücklehnt und etwa aufs autonome Fahren vertraut, ist der Mensch bei der M GmbH eindeutig Herr über die Maschine und steht deshalb im Zentrum des Geschehens, das BMW auf einem so genannten Boost-Pod konzentriert. Das Kunstwort steht für ein neuartiges Konzept, das alle Bedienmöglichkeiten und Informationen auf drei Sichtebenen direkt vor dem Fahrer vereint.

Erste Ebene: das horizontal ausgerichtete Lenkrad mit zwei kleinen Displays. Als zweite Ebene dient ein Curved Glass Display, das sich um das Lenkrad aufspannt. Ein vollflächiges Augmented Reality Head-up Display in der Windschutzscheibe bildet die dritte Ebene. Ganz ohne elektronische Unterstützung geht es natürlich trotzdem nicht: Denn je schneller das Auto fährt, desto mehr blendet es den Fahrer aus, zeigt weniger Informationen und lässt ihm so Spielraum, sich auf die Straße zu konzentrieren.

Natürlich ist der Vision M Next zunächst einmal nur ein Traum von einem Traumwagen. Doch die Technik unter dem Karbonkleid schürt die Hoffnung, dass dieser Traum vielleicht sogar wahr werden könnte. Denn BMW hat keine abgehobenen PS-Phantasien installiert, sondern beim Antrieb eine gewisse Bodenhaftung bewahrt und sich für ein Plug-In-Konzept mit je einem E-Motor pro Achse und einem aufgeladenen Vierzylinder dazwischen entschieden.

Das reicht zwar trotz imposanter 600 PS Systemleistung und einem Sprintwert von drei Sekunden im Konzert der Supersportwagen nur für die zweite Geige – zumal dem Vision M Next damit das Faszinationspotential eines wirklichen Performance-Stromers oder die Verruchtheit eines reinen Verbrenners fehlt. Aber dafür ist das ein Antrieb, der gegenwärtig wäre, weil man ihn quasi schon morgen aus dem aktuellen Baukasten heraus umsetzen könnte und der trotzdem zukunftsfest wäre, weil er immerhin 100 rein elektrische Kilometer ermöglicht und so auch in Shanghai, Peking oder Los Angeles funktionieren würde.

Hätte, könnte, würde – nach all den vielen Enttäuschungen kann man aber die Revival-Pläne für den legendären BMW M1 und die überfällige Emanzipation der M GmbH eigentlich nur noch im Konjunktiv sprechen. Doch es braucht nur ein „Ja“ im Vorstand, dann sieht die Sache plötzlich ganz anders aus. Dann können die Bayern mit einer Unterschrift beweisen, dass Träume auch mal wahr werden können, wenn man sie nur lange genug träumt.