Nicht Fisch, nicht Fleisch?

Peugeot 308 GTi: Der Kompromiss.

Im Peugeot 308 GTi werden 270 PS aus 1,6 Litern Brennraum gequetscht. Reicht das, um der Konkurrenz, die leistungstechnisch meist überlegen ist, ein Dorn im Auge zu sein?

Text: Maximilian Barcelli

Also am Anfang, da tut sich – grad raus gesagt – nix. Gähnende Leere. Tote Hose. Und auch zwischen 2.000 bis 3.000 Umdrehungen fühlst du dich wie der Kerl, der „Partystart: 20 Uhr“ ein wenig zu wörtlich genommen hat und dem Geburtstagskind nun um Dreiviertelacht dabei hilft, die letzten Luftballons aufzublasen. Nach 3.000 Touren allerdings, da kommen dann die Gäste. Und die Gäste sind gut drauf. Und du bist es dann gleich auch, weil die 270 PS dann eben doch noch anbeißen und dich freudigst nach vorne schieben.

Dass die Geräuschkulisse weniger freudig ist, muss nicht zwangsläufig als Negativum angesehen werden. Es ist halt ein Kompromiss – so wie eigentlich das ganze Fahrzeug einer ist. Weder hat sich Peugeot dem sportlichen, dem radikalen unterworfen, noch ist die ganze Fuhre zu kamod. So eben auch beim Sound: Hin und wieder ein kleines Furzerl beim Schalten, ansonst: Vornehm zurückhaltend. Außer der Sportmodus ist aktiviert, dann nämlich tönt der Vierzylinder unüberhörbar vor sich hin. Unüberhörbar allerdings nur für die Insassen: Der Motorsound ist nämlich lediglich gekünstelt und schallt ausschließlich über die Lautsprecher. Wieso das sein musste? Frage nicht.

Weniger peinlich ist dafür die Optik. In punkto Design setzt der PSA-Konzern beim Peugeot 308 GTi ebenso auf die goldene Mitte. Klar, sportliche Züge sind absolut erkennbar und der dynamische Charakter wird nicht nur durch die Coupe Franche-Zweifarblackierung unterstrichen. Doch der Franzosen-GTi interpretiert „Hot Hatch“ optisch eher wie Volkswagen das beim Golf GTI tut als Honda beim Civic Type R oder Ford beim Focus RS. Peinlich ist da absolut nichts, dafür müssen sich auch große Emotionen hintenanstellen.

Und das ist so das grundsätzliche Problem des Peugeot 308 GTi: Der Funke will nicht so ganz überspringen. Denn während beispielsweise die Optik des Type R ein ganz wunderbarer Diskussionsstoff ist, ob im Guten oder Schlechten sei jetzt dahingestellt, wird das Gespräch über den 308 GTi weniger hitzig sein. Eher so: Lauwarm.

Auch während der Kurvenhetz wird’s nicht wahnsinnig heiß. Natürlich gibt es unlustigeres als den 308 GTi von einer Serpentine zur anderen zu jagen. Doch weil PSA eben recht kompromissbereit gearbeitet hat, fehlt es dem Franzosen an der letzten Konsequenz. Die Beschleunigung knallt zwar ab etwa 3.000 Touren richtig schön rein, doch muss sich der Kompaktsportler aus Frankreich querdynamisch den meisten frontgetriebenen Kompaktsportlern unterordnen. Der Schaltknauf liegt gut in der Hand, fühlt sich auch hochwertig an, allerdings sind die Schaltwege etwas zu lang und es dürfte durchaus knackiger sein.

Dafür aber ist der Innenraum recht fein. Da ist der französische Autobauer momentan sowieso ganz vorne dabei. Digital am Zahn der Zeit, allerdings nicht zu radikal modern, wie wir es etwa von Tesla oder Volvo kennen. Die hübschen Armaturen werden nicht durchs Lenkrad abgelesen wie üblich: Ob man mit Geschwindigkeitsüberschuss unterwegs ist, wird mit einem Blick übers Volant gecheckt. Damit das gelingt, ist das Steuergerät recht klein und oben abgeflacht. Was wiederum schon einen enorm dynamischen Eindruck hinterlässt und grundsätzlich zu gefallen weiß.

Grundsätzlich. Ein gutes Stichwort. Denn grundsätzlich ist der Peugeot 308 GTi ein schneller, aber auch komfortabler Kompaktsportwagen, in dem man auch gerne die 8-Stunden-Fahrt in die Toskana in Angriff nimmt. Und wenn du dann nach zwölf Stunden ankommst – weil Stau – bist du vermutlich noch immer tiefenentspannt. Das bist du nach einem zehnminütigen Ritt auf der Bergstraße mit dem Honda Civic Type R sicherlich nicht. Dafür wurde in diesen paar Minuten so viel Dopamin ausgeschüttet, wie das letzte Mal auf der Party, wo du diesen Traum von einer Frau kennen gelernt hast. Du weißt schon. Die Feier, auf der du zu früh warst.