Hasso, fass!

Ein Hassobjekt auf vier Rädern, extra hoch, extra breit, mit 510 PS und noch dazu in Rot-Orange. In Zeiten, in denen du als SUV-Fahrer nicht gerade zu den urbanen ­Lieblingen zählst, giltst du mit dem BMW X4M Competition als Gottseibeiuns.

Text: Franz J. Sauer

„Ich hab Vorrang, du fette Sau!“ Und da hat er mich noch gar nicht live gesehen. Er bezieht das nur aufs Auto, der Superbobo mit dem abgewetztem Hoodie, der dicken Aschenbecher-Brille und dem Kinderwagen, den er mit Vorliebe dazu benutzt, seine Überlegenheit auf dem Zebrastreifen auszuleben. Bis er einmal einem weniger netten Autofahrer wie mir begegnet und nur mehr die Henkel seines McLaren in Händen hält, während sein bemitleidenswerter Fortpflanz auf der Motorhaube klebt.

Der BMW X4, egal, ob in der Supersportvariante, die wir hier testen, oder aber als Dieselteufel, wüsste derlei freilich zu verhindern. Den müsste man rechtschaffen dazu überreden, irgendetwas, das sich ihm vor die große Kühlerhaube stellt, plattzufahren. Dieser Wagen kriegt schon die ­Panik, wenn man auf eine Stopptafel zurollt und den Fuß nicht adäquat auf die Bremse legt. ­Leistung hin, Sportfahrwerk her, puncto Fußgängerschutz kennen SUVs von heute kein Pardon. Und wenn man sie noch so sehr zu Staatsfeinden erklärt.

Irgendwann gibst du auf. Nimmst deine Rolle als Oberkiller zur Kenntnis und handelst ganz einfach danach. Stellst alle Parameter auf „Supersport“, blickst also auf ein rechtschaffenes GP-­Display vor dir auf der Windschutzscheibe und lässt den Sport­auspuff röhren. Hättest du den Motor abgedreht, sie wären der Meinung, du fährst gerade 100. Bloß in Wien 16 oder in Wien 10, in notorisch anfälligen Bezirken für die Qualitäten des bayrischen Doppel-Propellers, genießt du mit diesem Auto fröhliche ­Akklamation. Tja, man kann sich sein Fans nicht immer aussuchen.

Der X4M ist eines jener Autos, das wir noch vor wenigen Jahren, ach, was schreib ich, Monaten ­uneingeschränkt super gefunden hätten. Auch mal gerne auf die Rennstrecke ausgeführt hätten. Womöglich vielleicht auf die deutsche Autobahn, um bei zwofuffzig gegen den Begrenzer zu knallen, als wäre da eine Mauer aus unsichtbarem Styropor. Wäre da nicht das elende Strafezahlen, freilich nicht bei 250, sondern bei läppischen 112 im Lufthunderter.

Immerhin – ein X4 lässt andere noch böser als sich selbst dastehen. Den X6 etwa. Oder den riesigen X7. Oder, um markenübergreifend zu denken, all die SQ8s, GLs oder auch nur GLEs. So bekommt die relative Knackigkeit der eng ­geschnittenen Sport-SUV-Form (nicht mal einen Heckscheiben­wischer gibt es für diese Schießscharte!) Gutpunkte nicht nur in Sachen Aerodynamik. Und auch auf dem Hausberg rechtfertigt bloß einer vom Format des X4M das Wörtchen „Sport“ in der ­namensgebenden Abkürzung.
Machomobil ist der X4M freilich keines, au contraire. Alle Damen, die ich mitnahm, zeigten sich von dem Fahrzeug überraschend begeistert. Stießen sich weit ­weniger am brettelharten Wesen des Fahrwerks – selbst im Comfort-Modus – als ich. Und hatten sogar Lob für Details wie die scharf geschnittenen Alufelgen ­übrig. Oder die Teufelshörner nachahmenden Außenspiegel.

Braucht man 510 PS jemals? Nein, natürlich nicht. Und auch das hätten wir vor Kurzem noch nicht für möglich gehalten: nämlich dass uns ein sophistisches Hybrid-Gemenge unter der ­Motorhaube mit derselben Motorleistung, aber freilich weit ­weniger Normverbrauch, mehr begeistert hätte als der hier verbaute Supermuskel. Die Zeiten ändern sich, nicht nur wegen­ ­Greta. Aber schon auch. Ein ­weiterer Gutpunkt für das Mädel aus Schweden.

BMW X4M Competition
Hubraum: 2.993 ccm
Leistung: 510 PS
Verbrauch: 10,1 Liter
Drehmoment: 600 nm / 2.600–5.950 U/min
Beschleunigung: 0–100: 4,1 s
Spitze: 250 km/h
Gewicht: 1.970 kg
Preis: ab 113.850 Euro (BMW X4M)